Vereint im Verein

Jeder Sportverein freut sich über neue Mitglieder. Und wenn diese Mitglieder dann noch weitere Familienangehörigen mitbringen – umso besser. Der Verein als familienfreundliches Freizeitvergnügen: Besser geht’s nicht.

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Jan-Henrik ist neun Jahre alt. Längst kann er eine Schleife. „In meiner Größe gibt es keine Fußballschuhe mehr mit Klettverschluss. Außerdem sind die peinlich“, erklärt er mit Kennermiene. Gekonnt jongliert er mit dem runden Leder und lässt es auf seiner Fußspitze tanzen. Gleich ist Training in seinem Fußballklub, und Jan-Henrik macht sich schon einmal ein bisschen locker.

Der Start einer Trainerkarriere

Ein paar Schritte weiter steht sein Vater Wolfgang. Er ist Trainer der F-Junioren und hat seinem Sohn die Fußball-Leidenschaft in die Wiege gelegt. „Ich war früher selbst aktiv. Als ich gesehen habe, dass mein Sohn durchaus Talent hat, sind wir mal zum Training gegangen und haben uns den Verein hier im Ort angesehen“, erzählt er von den sportlichen Anfängen seines Sohnes. Dass in diesem Moment seine Trainerkarriere begann, damit hat er damals nicht gerechnet. „Ich bin gleich mit dem Abteilungsleiter ins Gespräch gekommen. Er hat meine Fragen offen beantwortet und sich meine Anregungen interessiert angehört.“

Für Abteilungsleiter Rainer Krämer selbstverständlich: „Wir können davon nur profitieren. Als ich merkte, dass Wolfgang über Fußballsachverstand verfügt, habe ich ihm gleich angeboten, bei uns mitzumachen.“ Erst assistierte Wolfgang Brasse als Betreuer, doch schnell juckte es ihm in den Fingern, und er übernahm den frei gewordenen Trainerposten. „Dass der Verein mir gleich das Vertrauen geschenkt hat, imponiert mir immer noch.“

Gefeiert wird gemeinsam

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Wolfgang Brasse, den es aus beruflichen Gründen mit seiner Familie in die neue Heimat verschlagen hat, fühlte sich im Klub gleich heimisch. Denn der Fußball-Abteilungsleiter blickt auch über den Tellerrand seiner Sportart: „Was macht eigentlich deine Frau?“, wollte er von Wolfgang Brasse wissen. „Die sitzt mit der Ältesten zu Hause und sucht noch nach Freizeit- möglichkeiten“, antwortete der. Dabei hat der Verein noch viel mehr Sportarten als nur Fußball zu bieten. „Ihr bezahlt in allen Abteilungen den gleichen Beitrag. Die ersten Übungsstunden sind sowieso frei. Und gefeiert wird gemeinsam. Bringe sie doch einfach mal mit“, sagte Rainer Krämer.

Die Laufgruppe war die Lösung

Karin Brasse war erst skeptisch, als ihr Mann davon erzählte: „Was soll ich in einem Sportverein?“ „Schaut euch das einfach erst einmal an“, ermunterte sie ihr Gatte. Tochter Jennifer mochte aus Prinzip den Sportverein ihres kleinen Bruders nicht, aber irgendwann war es dann so weit. Familie Brasse ging gemeinsam zum Sportplatz. Für Karin Brasse war es tatsächlich ungewohnt. Das erkannte auch Herbert Beinlich, der Familiensportbeauftragte des Vereins: „Karin war unsicher. Sie war nie in einem Verein, hat nie richtig Sport getrieben“, berichtet er im Rückblick. Die Laufgruppe war die Lösung für Karin Brasse. Hier geht keiner auf Rekordjagd, hier zählt die gemeinsame Bewegung, hier wird auch schon mal ein Schwätzchen beim Laufen gehalten. „Ich habe neue Leute kennen gelernt und ich bewege mich jetzt regelmäßig. Das hätte ich nicht gedacht“, erzählt die Krankenkassen-Angestellte.

Zwei Vereine mit einer Lösung

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Und was passierte mit ihrer Tochter Jennifer? Sie hat alle überrascht, denn sie konnte sich kaum entscheiden. „Badminton fand ich immer schon interessant. Aber als ich dann das Bogenschießen sah, wollte ich das auch unbedingt ausprobieren.“ Bogenschießen wird zwar im Nachbarverein angeboten, aber diese Hürde war schnell überwunden. „Mit unserem Familienbeitrag kann sie auch dort teilnehmen, denn wir haben unter den Vereinen schnell eine Lösung gefunden“, so Herbert Beinlich. Die beiden Vorsitzenden der Vereine kennen sich aus dem Sportausschuss der Gemeinde. Und bei der Gelegenheit haben sie auch gleich ein gemeinsames Sportfest verabredet.

Die Waffel vom Wirt

Jan-Henrik und Jennifer verstehen sich jetzt sogar ein bisschen besser. Der jüngere Bruder findet Bogenschießen ziemlich cool, und seine Schwester hat sich jetzt sogar ein Meisterschaftsspiel ihres Bruders angesehen: „Die spielen schon gut, auch wenn er immer noch ein kleiner Angeber ist“, gibt sie zu, kann sich die kleine Spitze aber nicht verkneifen. Das Spiel genoss sie noch auf eine ganz andere Weise: mit einer leckeren Waffel aus dem Vereinsheim. Selbst gebacken vom Vereinswirt.

 
 

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