Familiensport hat Geschichte

"Sport für Familien“ ist ein zentrales Thema im DOSB. An der Entwicklung des Familiensports war Professor Dr. Manfred Wegner vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Kiel maßgeblich beteiligt.

Der Familiensport hatte früher unterschiedliche Gesichter. Es gab Familiaden in Nordrhein-Westfalen. In Schleswig-Holstein existierte das Programm „FIF - Familien in Form“. Zudem gab es in Bayern Sport- feste für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Familien und in Hessen in den 1980er-Jahren sogar schon eine Broschüre zum Familiensport. Aber ein bundesweit einheitliches Konzept für den Familiensport gab es noch nicht. Was tun?

Erste Arbeitsgruppe 2001 im DSB

Der damalige Deutsche Sportbund (DSB) handelte. Er setzte im Jahr 2001 unter dem bekannten Sportwissenschaftler Professor Dr. Peter Kapustin (Würzburg) die Arbeitsgruppe „Familie und Sport“ ein. „Zuvor gab es immer wieder mal Familienoffensiven. Aus diesen ergab sich für uns nun die konzeptionelle Herangehensweise: Was ist eigentlich bundesweit vorhanden? Wie sind in den Landessportbünden und in den Spitzenverbänden die Einstellungen und Erwartungen an das Thema?“, erklärt Manfred Wegner. Das erste Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Das Projektkonzept „Familie und Sport“ dokumentierte die vorhandenen Aktivitäten und Erfahrungen im organisierten Sport. Der Kieler Professor legte anhand dieser Erkenntnisse im Auftrag des Bundesfamilienministeriums mit einer wissenschaftlichen Dokumentation das Fundament für eine Erweiterung und Spezifizierung des Familiensports.

Zwei Umbrüche warfen den Familiensport zurück

Die Arbeit konnte beginnen. Die ersten Weichen zum bundesweit strukturierten Familiensport wurden auf dem Kongress „Familie und Sport“ in Kiel im Jahr 2003 gestellt. Erste Orientierungshilfen für Vereine und Familien gab es im bis heute aktuellen DSB-Werkheft „Familie und Sport“, das Manfred Wegner zusammen mit dem Berliner Journalisten Günter Müller erstellte. Dann aber kam das Projekt aus der Spur. „Im Jahr 2004 wurde die Arbeitsgruppe um Professor Kapustin aufgelöst. Und mit der Umstrukturierung vom DSB zum DOSB ergab sich eine Phase, in der Familiensport nicht die höchste Priorität hatte“, berichtet der ehemalige Spitzenhandballer.

Neuanfang im DOSB

Nach der Gründung des DOSB kam die Entwicklung des Familiensports wieder auf das richtige Gleis. Gemeinsam mit Ute Blessing-Kapelke, die im DOSB hauptamtlich das Themenfeld „Sport der Generationen“ übernahm, baute Manfred Wegner den Arbeitsbereich neu auf. Mit dieser Initiative nahm der Familiensport Fahrt auf. Spitzenverbände und Landessportbünde trafen sich wieder gemeinsam auf Tagungen, sammelten Beispiele für den Familiensport und gaben sich eine Stoßrichtung, eine neue Arbeitsgruppe: „Familienfreundlicher Sportverein“ wurde berufen.  Als Arbeitsergebnis formulierte die Arbeitsgruppe, dass eine stärkere Sensibilisierung aller Beteiligten im organisierten Sport, eine deutliche Ausweitung der Lobbyarbeit sowie die Entwicklung und Umsetzung einer Initiative im Familiensport notwendig sei.

Sozialarbeit in grandioser Form

Resultat ist das aktuelle Projekt „Sport bewegt Familien – Familien bewegen den Sport“, das nun mit Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit vielfältigen Maßnahmen und Modellprojekten auch über die Familienbotschafter in die Vereine und Landessportbünde vermittelt wird. Aus gutem Grund: „Familiensport ist Sozialarbeit in grandioser Form. Mit der Einbeziehung von behinderten Kindern gewinnt er noch mehr an Bedeutung, “, erklärt der Sportwissenschaftler Manfred Wegner: „Der familienfreundliche Verein, der familienoffene Verein, der familienorientierte Verein: Das sind für mich die Perspektiven für den organisierten Sport.“ Ziel ist es, in den Vereinen Multiplikatoren zu finden, die die Familienorientierung weiter entwickeln. „Es ist einfach toll, wenn man immer mehr Nester setzen kann. Das ist unser Ansatzpunkt: in kleinen Schritten diese Idee in die Vereine zu bringen.“

Chance für die Politik und in den Kommunen

Nicht nur die Einbeziehung von behinderten Kindern, auch übergewichtigen Kindern oder Kindern mit Migrationshintergrund soll damit Lebenshilfe und eine sportliche Heimat geboten werden. Ideal ist hierbei, wenn Gemeinden oder Städte die Vereine in gemeinsamen Familienprojekten unterstützen. „In vielen Kommunen funktioniert das auch, aber eigentlich hätten wir noch mehr an guten Beispielen und könnten noch mehr Personen überzeugen“, sagt Wegner und sieht hier noch große Chancen. Was fehlt, sind personelle Ressourcen und finanzielle Mittel, um gegen die Probleme Übergewicht, Bewegungsmangel und für eine Sozialisation der Familie Eckpunkte zu setzen, die mittel- und langfristige Wirkung hätten: „Da würde ich mir noch mehr Initiative von der Politik und in den Kommunen wünschen.“

 

Manfred Wegner

Manfred Wegner, geboren 1957 in Eutin, ist Professor für Sportpsychologie an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel und z.Z. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie. Darüber hinaus fungiert er als Beirat im Bereich Sportentwicklung für den Deutschen Olympischen Sportbund, Bereich Familie und Sport. Er leitet den Wissenschaftlichen Beirat von Special Olympics Deutschland und ist Mitglied im Breitensportausschuss des Deutschen Behindertensportverbandes. Er ist im Besitz der B-Trainerlizenz im Handball und des DLRG-Lehrscheins.

 
 

Breitensport Partner

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