Eine Familie bringt die Länder zusammen

Sie ist die „Grande Dame“ im Frauenteam der deutschen Turnerinnen. Oksana Chusovitina möchte im Sommer an ihren sechsten Olympischen Spielen teilnehmen. Nach Deutschland kam sie wegen einer schweren Krankheit ihres Sohnes.
Die sportliche Bilanz der 1,53 Meter großen Turnerin ist beeindruckend. 1991 gewann sie als 16-Jährige in Indianapolis beim Bodenturnen ihre erste Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft, holte ein Jahr später in Barcelona in der Mannschaft der Gemeinschaft unabhängiger Staaten Olympisches Gold und gehört seitdem zur absoluten Weltspitze. Ob bei Welt- oder bei Europameisterschaften: Sie ist immer wieder auf dem Treppchen zu finden. Die im usbekischen Buchara geborene Oksana Chusovitina ist in ihrer Heimat eine Volksheldin und wurde sogar schon mit einem Briefmarkenmotiv anlässlich des 10. Jahrestages der staatlichen Unabhängigkeit Usbekistans 2001 geehrt.
Optimale medizinische Betreuung
Ihre erste Einzelmedaille bei Olympischen Spielen 2008 gewann sie als 33-Jährige in Peking beim Sprung – und startete hier für den Deutschen Turner-Bund. Denn dass sie mal die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen würde, das ist einem familiären Schicksalsschlag geschuldet. 1997 heiratete die Powerfrau den Ringer Bahodir Kurbanov. Sohn Alisher kam zwei Jahre später zur Welt. 2002 wurde bei dem damals Dreijährigen Leukämie diagnostiziert. Aufgrund von sehr guten Kontakten zog Oksana Chusovitina mit ihrer Familie nach Deutschland. Denn in Usbekistan war eine optimale medizinische Betreuung des Kindes nicht gewährleistet. Ihr neuer Verein Turnteam Toyota Köln und zahlreiche Spenden machten eine Behandlung in der Klinik der Kölner Universität möglich. Zusätzlich intensivierte die Ausnahme-Sportlerin ihre internationalen Auftritte, um mit den Preisgeldern die Behandlung ihres Sohnes mitfinanzieren zu können.
Fünffachfunktion der Powerfrau
Die Behandlung war erfolgreich. „Heute ist Alisher ein aufgeweckter Junge, der davon träumt, Fußballer zu werden“, berichtet Oksana Chusovitina. Er geht inzwischen in Usbekistan zur Schule und zum Fußballtraining – unterbrochen von zahlreichen Aufenthalten in Deutschland. Denn die Sprung-Spezialistin erhielt 2006 die deutsche Staatsbürgerschaft und vertrat die deutschen Farben erstmals bei der WM in Århus im gleichen Jahr, wo sie eine Bronzemedaille gewann. Heute pendelt sie in ihrer fünffachen Funktion als Mutter, Ehefrau, usbekische Nationaltrainerin, Turnerin für Deutschland und als Berufstätige der Firma Lanxess zwischen den Ländern. Dabei wird sie nach Möglichkeit von ihrem Mann und ihrem Sohn begleitet.
Sportaustausch vermittelt
Oksana Chusovitina holte sich 2011 bei der WM in Tokio die Silbermedaille am Sprung. Als 37-jährige „Turn-Oma“ will sie in London 2012 ihren Traum von der Teilnahme an den sechsten Olympischen Spielen erfüllen. Die Diplom-Sportlehrerin möchte anschließend als Trainerin arbeiten. Erste Erfahrungen in dieser Funktion sammelt sie bereits beim Rheinischen Turnerbund und als Verbandstrainerin für den usbekischen Turnerbund. Durch ihre Vermittlung besteht inzwischen ein zunehmender Austausch von Sportlern aus Usbekistan und Athleten aus Bergisch Gladbach. Die Kontakte und Maßnahmen sind inzwischen durch eine offizielle Vereinbarung abgesichert und werden immer intensiver. So hat Oksana Chusovitina ihre familiäre Pendelei noch zu einem völkerverbindenden Sportaustausch ausbauen können.







Den Inhalt dieser Seite: