Weltcup und Windeln
Wenn Amelie Kober ihr Snowboard abschnallt, dann weiß sie, was auf sie zukommt: Windeln wechseln bei ihrem Sohn Lorenz. Denn die Olympiazweite von Turin 2006 kann sich auf ihre Familie verlassen und gehört als junge Mutter wieder zur Weltspitze.
Die internationale Karriere der Amelie Kober begann mit einem Paukenschlag. Als 17-Jährige sicherte sie sich mit ihrem besten Karriereergebnis, einem zweiten Platz im Parallel-Riesenslalom in Sölden, das Ticket für die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. Völlig überraschend musste sie sich hier nur der Schweizerin Daniela Meuli geschlagen geben und gewann die Silbermedaille. „Die Siegerehrung auf der Medal Plaza war einfach toll. Das Gefühl kann man gar nicht richtig in Worte fassen“, berichtet die Oberbayerin heute noch von einer „wahnsinnigen Erfahrung”. Im gleichen Jahr wurde sie zu „Deutschlands Juniorsportlerin des Jahres” gewählt.
Schwanger bei Olympischen Spielen
Amelie Kober blieb in der Erfolgsspur. Sie gewann eine Silbermedaille bei den Snowboard-Weltmeisterschaften 2007 in Arosa und sicherte sich den Gesamtsieg im Parallel-Weltcup 2009. Anfang Februar 2010 siegte die Bundespolizistin beim Weltcup im Parallel-Slalom auf dem heimischen Sudelfeld. Anschließend ging sie bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver an den Start, kam bis ins Viertelfinale und verzichtete dann auf die Platzierungsläufe. Denn Amelie Kober war bereits beim Sieg am Sudelfeld schwanger.
Tolle Unterstützung der Familie
Im September 2010 kam dann der kleine Lorenz auf die Welt. Der Vater ist Lorenz Funk junior, der Sohn des Eishockey-Bronzemedaillengewinners in Innsbruck 1976, Lorenz Funk senior. Lorenz Funk junior ist als Eishockeymanager gefordert. Doch durch die Unterstützung der ganzen Familie, insbesondere ihrer Mutter, konnte Amelie Kober schon drei Wochen nach der Geburt ihres Sohnes wieder ins Training einsteigen und erlebte erst einmal ihr blaues Wunder. „Ich hatte das schon unterschätzt. Ich habe ja gar keine normalen Sit-ups mehr machen können. Ich dachte mir nur: Um Gottes willen, hoffentlich wird das wieder”, beschreibt sie diese Zeit in einem Interview mit „Welt online”.
Sie kämpfte sich wieder heran
Doch ihre Welt sind nun mal die Berge, und so kämpfte sie sich mit dem Snowboard wieder heran. Ihre Eltern geben ihr dabei volle Rückendeckung. Egal, ob Training oder Wettkampf: Die Mutter von Amelie Kober ist so gut wie immer dabei und betreut das einjährige Nesthäkchen. Zugleich greift die Mutter Amelie auch bei der Organisation des Drumherums unter die Arme. „Ich werde von meiner Familie toll unterstützt. Denn es ist mit wichtig, Lorenz ganz in meiner Nähe zu wissen und somit nichts zu verpassen“, sagt die Fischbachauerin. Das „neue Teammitglied” Lorenz ist im Sportgeschehen mittlerweile voll integriert und akzeptiert.
Zurück auf die Podestplätze
Die Saison 2011/2012 konnte kommen, und die junge Mutter kämpfte sich zurück in die Weltspitze. Mitte Dezember kam sie beim Weltcup im Parallel-Riesenslalom in Telluride (USA) als Dritte erstmals wieder auf das Podium. Eine Woche später war es sogar der zweite Platz in der gleichen Disziplin im italienischen Carezza. Als Mutter fühlt sie sich nun „leidensfähiger und unempfindlicher”, auch wenn die Bauchmuskulatur nicht mehr so stark sei wie früher. Neben Kreditkarte und Reisepass gehören die Windeln heute zu ihrem unverzichtbaren Reisegepäck. Und ihre knapp bemessene Freizeit verbringt sie gerne mit Bergsteigen: „Meinen kleinen Lorenz trage ich dabei immer in der Kraxe auf dem Rücken.”







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